Leseprobe aus Jenseits von Allem


Kapitel 25


25

Erste Anfänge


 

Ein persönliches Schlüsselerlebnis

Eines Abends hatte ich das Manuskript für „Jenseits von Allem“ (Teil eins) zu meinem Lieblingswaldrand mitgenommen, um in der Abendsonne etwas daran weiter zu arbeiten, statt dies immer nur in meinen vier Wänden zu tun.
So saß ich dann also an diesem Waldrand und nahm alle Eindrücke der Natur in mich auf, wobei ich vergeblich versuchte mich auf die Arbeit an dem Manuskript zu konzentrieren... 
Die Sonne stand schon tief, und es schien mir das Beste zu sein, mich in aller Ruhe dem grandiosen Schauspiel des beginnenden Sonnenunterganges zu widmen, statt mich weiterhin mit dem Manuskript zu befassen.

 Wie ich da also, das Manuskript neben mir liegend, so auf der Holzbank an meinem Lieblingswaldrand saß und mich an dem wunderschönen Sonnenuntergang erfreute, da fiel mein Blick irgendwann auch auf das Unterholz hinter der Bank, wo drei leere und verdreckte Weinflaschen herumlagen.

             „Diese Schweine...“,
war mein erster Gedanke. (War es doch auch noch ausgerechnet mein Lieblingswaldrand...)
           
„Wie kann man nur einfach alles liegen lassen und die Schönheit dieses Platzes damit stören“,
dachte ich weiter.

In diesem Moment spürte ich – fast wie magisch – mein Manuskript wie fordernd neben mir auf der Bank liegen.
Ich nahm es in die Hand wie ein glühendes Eisen, und begann mir klar zu machen, dass die darin beschriebenen Gedanken tatsächlich etwas mit den lebendigen und alltäglichen Situationen unseres Lebens zu tun haben.

·        Wer war es denn nun in Wahrheit – laut meiner eigenen Idee – der diese Weinflaschen dort liegen lassen hatte?

·        Hielt ich hier nicht gerade ein Manuskript in der Hand, in welchem ich selbst die Idee beschreibe, dass es im ganzen Universum keine Fremdheit gibt, sondern nur eine einzige ‘Seele’ in ihren verschiedenen Verkörperungen und Entwicklungsstufen?

Egal in welcher Verkörperung auch immer, es war also demnach tatsächlich ich selbst gewesen, der diesen Abfall irgendwann einmal hier liegen gelassen hatte. Ich selbst in einer anderen Verkörperung. Von meiner momentanen Verkörperung aus gesehen vielleicht in der Vergangenheit. Vielleicht könnte aber diese andere Verkörperung sogar auch noch in meiner eigenen Zukunft liegen!
Alles andere würde doch bedeuten, dass ich meine eigene Idee von „Jenseits von Allem“ selbst nicht für wahr halten würde.

Ich spürte in diesem Moment sehr deutlich, wie sehr ich doch noch am Anfang damit stand, meine hoch- und schnellfliegenden Gedanken in ein lebendiges Handeln umzusetzen.

Ein freudiges Gefühl kam in mir auf:
Endlich konnte ich mit vollem Bewusstsein damit anfangen meine Gedanken auch auf mein Handeln anzuwenden!

Es war also beschlossene Sache:
Diese Weinflaschen würde ich genauso selbstverständlich mitnehmen, als ‘hätte’ ich sie selbst mitgebracht!

Stopp!

Warum dachte ich eigentlich im Konjunktiv? Warum dachte ich in Worten wie „als ob“ und „wie wenn“? 
Ich hatte sie doch in einer anderen Verkörperung tatsächlich selbst mitgebracht, falls es wirklich nur eine Seele, – nur ein wirkliches ‘ICH’ gibt!

Die Sonne war inzwischen untergegangen, und ich machte mich mit den drei leeren, verdreckten Weinflaschen auf den Weg zum Auto.

            „Wenn mich nun der Förster oder sonst jemand sieht, dann denkt er, ich hätte diese drei Flaschen selbst ausgetrunken...“,
ging es mir durch den Kopf.
           
„Die waren gar nicht von mir, ich räume sie nur weg.“,
hätte ich dann ja sagen können, natürlich auch noch ein Wenig in Erwartung der Anerkennung, dass ich so nett und umweltbewusst bin, sogar den Dreck von ‘anderen’ wegzuräumen...

Doch halt! 
Dies stimmte ja auch wieder nicht mit meiner eigenen ‘Idee’ überein! Diese Weinflaschen waren ja laut dieser Idee eben doch von mir selbst – wenn auch von ‘mir’ in einer anderen Verkörperung –, mitgebracht, liegengelassen und natürlich auch von mir selbst ausgetrunken worden!

Folglich gab es absolut keinen Grund mich irgendwie ‘besonders’ dabei zu fühlen, sie in aller Selbstverständlichkeit wieder mitzunehmen. Ich würde also bei einer eventuellen Begegnung versuchen mir vorzustellen, so beschloss ich, dass ich diese Weinflaschen während einem der letzten Besuche meines Lieblingswaldrandes erstens selbst getrunken hatte, sie zweitens danach auch hinter die Bank geworfen hatte, und sie nun drittens bei einem weiteren Besuch dieses Waldrandes als meinen eigenen Abfall abhole und wegräume.

Ich spürte bei diesen Gedanken eine Art Frieden oder auch ruhige Demut.

Andererseits war ich zutiefst überrascht, wenn nicht sogar erschrocken, wie wenig ich doch bislang von meinen hochfliegenden Gedanken in mein Handeln umgesetzt hatte!

War ich doch gedanklich schon sehr bald an den Punkt gekommen, an welchem ich meine Idee als die logisch zwingende Begründung erkannt hatte, nicht nur seine Freunde, sondern auch seine Feinde, ja sogar auch seine eigenen Mörder zu lieben wie sich selbst.
Und nach solchen großartigen Gedanken erfolgte nun mühsam die erste dementsprechende und wirklich bewusste Tat, in Form des Wegräumens dreier leerer Weinflaschen welche an einem Waldrand lagen...

Nun gut, der erste (bewusste) Anfang war ja nun immerhin gemacht!

Erneut spürte ich eine gewisse Vorfreude, als ich mir versuchte klar zu machen, welche weiteren Schritte diesem ersten (bewussten) Schritt folgen würden (unbewusst hatte ich natürlich schon oft meiner Idee entsprechend gehandelt, aber eben nur unbewusst und nicht speziell auf der Grundlage des Gedankens dieser einen und universell einzigen, sich durch ‘Zeitreise- Reinkarnation’ dauernd und überall selbst begegnenden Seele!).

Während ich noch zum Auto zurückging (wobei ich übrigens niemandem begegnete...), erkannte ich mehr und mehr die ungeheure Tragweite, welche diese Idee einer einzigen, universellen Seele auf das lebendige Handeln eines Menschen haben kann, bzw. haben muss und auch haben wird, je klarer diese Idee als Realität (an)erkannt wird.
Schon in diesem ersten Anfangsstadium der Umsetzung meiner Gedanken in mein Handeln, gesellte sich zu dieser schon erwähnten Vorfreude nun plötzlich auch ein gewisses Erschauern, eine unbestimmte Art von Angst hinzu, als ich begann eine unvorstellbar große Distanz zu spüren. Die Distanz zwischen der – durch die Idee einer einzigen universellen Seele bedingten – letztendlich möglichen Verhaltensänderung auf der einen Seite, und ‘meinen’ (ersten...) drei leeren Weinflaschen auf der anderen Seite!
Es war so ähnlich, wie wenn man an den Anfang eines Weges kommt und den Blick zum ersten Mal auf den weiteren Verlauf dieses Weges richtet, wobei man bis zum Horizont kein Ende erkennen kann.

·      Wie weit würde ich wohl damit kommen können?

·      Würde ich auch persönliches Leiden dafür in Kauf nehmen?

·      Könnte ich nach diesem ersten Schritt überhaupt noch einmal innehalten oder gar zurück? Und wollte ich das denn?

·      Würde ich nicht sogar bereit sein müssen, mich letztendlich wie Jesus ans Kreuz nageln zu lassen und meinen Folterern dabei auch noch zu vergeben?

·      War ich denn schließlich – nach meiner eigenen Idee – nicht sogar selbst diese eine Seele, welche sich eben – zu einem bestimmten subjektiven Zeitpunkt ihres Entwicklungsweges – auch als Jesus von Nazareth verkörpert hatte, und lag diese spezielle Verkörperung nicht sogar mit aller größter, ja sogar an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch in meiner subjektiven Zukunft?

Aber trotz dieser Gedanken spürte es sich gut und erleichternd an, endlich diesen ersten kleinen Schritt in Richtung der Umsetzung meiner Idee in lebendiges Handeln getan zu haben! Ein Gedanke von früher kam mir in den Sinn:
Wer nur alleine schon auf dem richtigen Weg ist, der kann sich, was seine Geschwindigkeit des Vorankommens betrifft, beruhigt Zeit lassen. Vorausgesetzt er bleibt nicht völlig stehen, wird er dann nämlich das ‘Ziel’ auf jedem Fall erreichen, wobei er durch das langsame und sorgfältige Vorgehen den ganzen Weg als Ziel erkennt.

Die Richtung des eingeschlagenen Weges, sowie die Vermeidung von Stillstand, sind das Entscheidende, und nicht wie schnell und weit wir dann in dieser Richtung vorankommen!

Damals, als ich diesen Gedanken hatte, da wusste ich noch nichts vom Naturgesetz der Wiedergeburt (die Wiedergeburt ist entweder ein Naturgesetz, oder es gibt sie gar nicht. Siehe Kapitel zwei).
Es erschien mir aber dennoch auch damals schon logisch, dass es nicht von Bedeutung sei, wie weit wir bis zu unserem Tod den ‘richtigen’ Weg gegangen sein würden, sondern ausschließlich die Frage zählt, ob wir überhaupt auf dem ‘richtigen’ Weg gewesen waren. 
Von einem liebenden Gott war ich auch damals schon überzeugt, und würde ein liebender Gott denn nicht damit zufrieden sein, wenn sich seine Geschöpfe auf dem richtigen Weg befinden, egal wie schnell sie dann darauf vorankommen?
Diesen ‘richtigen’ Weg empfand ich auch damals schon als den Weg der Ehrlichkeit und Nächstenliebe, ohne dass ich es zur damaligen Zeit schon durch eine ‘Idee’, wie der, einer einzigen universellen Seele, hätte begründen können.

 

***

 

An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal eine kurze Zusammenfassung der in Teil eins „die Theorie“ beschriebenen Idee ansehen.
Wir können uns damit noch einmal klar machen, was es genau ist, was wir mit den später beschriebenen Übungen versuchen wollen zu erfühlen.

 

Zusammenfassung der Theorie

Die erste Voraussetzung für die Idee einer logischen Begründung der Nächstenliebe ist das Verständnis der Wiedergeburt als einem Naturgesetz (und nicht etwa einem ‘Glauben’ oder einer ‘Religion’).

Sobald wir einmal anfangen unbefangen darüber nachzudenken, werden wir bemerken, dass eigentlich sehr viel mehr dafür als dagegen spricht, dass die Wiedergeburt (Reinkarnation) tatsächlich ein Naturgesetz sein könnte!
Wie auch schon der französische Aufklärungs- Philosoph Voltaire (1694 – 1778) geschrieben hat:

„Die Lehre von der Wiederverkörperung ist weder widersinnig noch unnütz.
Zweimal geboren zu werden ist nicht erstaunlicher als einmal.
Auferstehung ist das ein und alles in der Natur“

Wobei ich persönlich sogar der Meinung bin, ausgerechnet nur einmal geboren zu werden ist noch wesentlich unwahrscheinlicher und fantastischer, als mehrmals geboren zu werden.
Zu diesem Thema der Wiedergeburt als Naturgesetz empfehle ich auch das Buch „Reinkarnation, die Wissenschaft der Seelenwanderung“ von Ronald Zürrer, erschienen im Govinda Verlag (ISBN 3-906347-51-6)
Diese Buchempfehlung befindet sich zwar schon mehrfach auch im ersten Teil des hier vorliegenden Buches, aber es mag ja vielleicht auch Leser geben, welche nur den zweiten Teil lesen.
Und weil das Thema Reinkarnation in unserer westlichen Welt so sehr aus unserem Denken verbannt (!) wurde, und weil das genannte Buch einen wirklich umfangreichen und ausführlichen Überblick zu diesem Thema bietet, nenne ich es hier auch im zweiten Teil von „Jenseits von Allem“ gerne noch einmal.
In diesem Buch von Ronald Zürrer werden unter anderem auch etliche Zitate berühmter Persönlichkeiten und aus alten Schriften genannt, welche belegen, in welch guter Gesellschaft sich ein jeder Mensch befindet, der die Wiederverkörperung ernsthaft als Naturgesetz in Betracht zieht.
Mit der freundlichen Genehmigung von Ronald Zürrer werden einige dieser Zitate am Ende dieses Buches als Anhang hinzugefügt. Ich hatte diese Zitate ursprünglich vor etwa sechs Jahren für meine inzwischen 95 Jahre alte Oma ausgesucht und zusammengestellt. Sie hatte ihr ganzes Leben lang die hier üblichen, katholisch geprägten Vorstellungen vom Tod und dem, was danach kommt. Dennoch hat sie in ihrem hohen Alter und nur anhand dieser Zitate – und vielleicht auch noch durch einige Hinweise aus ihrer Lieblingssendung im Fernsehen, der Talkshow „Fliege“ – zumindest die Möglichkeit der Wiedergeburt erstaunlich schnell in ihrem Weltbild aufnehmen können.

Doch nun weiter mit der Zusammenfassung der Theorie aus Teil eins:

Nachdem wir also die Wiederverkörperung als ein mögliches Naturgesetz zumindest einmal vermuten können, knüpft sich die Frage daran, nach welchen Regelmäßigkeiten dieses Naturgesetz dann wohl funktionieren könnte.
Automatisch gehen wir dabei in erster Linie davon aus, dass eine Wiederverkörperung nach unserem Tode selbstverständlich nur in einer Zeit stattfinden kann, die objektiv betrachtet nach dem Zeitpunkt unseres Todes beginnt.

Nun ist es aber so, dass in der modernen Naturwissenschaft einiges darauf hindeutet, dass die Zeit ganz und gar nicht das ist, was wir bislang davon dachten. Tatsächlich spricht inzwischen sogar der berühmteste noch lebende Physiker, Stephen Hawking, davon, dass die Naturgesetze unseres Universums körperliche Reisen in die Vergangenheit prinzipiell zulassen könnten. Nun, wenn wir also eventuell tatsächlich einmal in die Vergangenheit reisen können, dann muss unser Reise-Ziel, nämlich die Vergangenheit als solche, auch wirklich und tatsächlich existieren.
Daraus resultiert die Vermutung, dass die Wiedergeburt nicht unbedingt nur in einer objektiven Zeit nach unserem jeweiligen Tod stattfinden könnte, sondern zu beliebigen anderen Zeitpunkten der insgesamt gemeinsam existenten ‘Gesamtzeit’, welche wir entsprechend einer Zeit-Landschaft einfach einmal die „Zeitschaft“ nennen wollen.
Es wäre dann also genauso gut möglich, dass wir vor dem Zeitpunkt unseres jeweilig subjektiv letzten Todes, und natürlich vielleicht auch vor dem Zeitpunkt unserer jeweilig subjektiv letzten Geburt, also kurz gesagt, von unserem derzeitigen Lebens aus betrachtet, in der Vergangenheit wiedergeboren werden können.
Nun wird es denkbar, dass wir uns in unseren verschiedenen Verkörperungen tatsächlich auch selbst begegnen könnten (wie ein Zeitreisender, der in die Vergangenheit reist und seinem jüngeren ‘Ich’ begegnen könnte).

Daraus resultiert dann wiederum die Frage, wer denn von den anderen Menschen, bzw. Lebewesen um uns herum dann eigentlich noch mit Sicherheit als tatsächlich „fremd“ bezeichnet werden kann...
Das Ganze gipfelt schließlich in der Überlegung, bzw. der Idee, ob es dann nicht auch vielleicht möglich sein könnte, dass es eventuell überhaupt gar keine fremden ‘Seelen’ gibt, sondern dass es im ganzen Universum vielleicht nur eine einzige ‘Seele’ (= das Innere von etwas) geben könnte.
Dadurch wäre dann auch der Satz „Alles ist Eins.“ in ein neues und klares Licht gerückt.
Dies würde also bedeuten, dass ICH, bzw. jedes DU (also auch Sie, lieber Leser), also wir alle, in Wahrheit ein einziges seelisches Lebewesen sind, welches sich in seinen verschiedenen Verkörperungen immer und überall ausschließlich selbst begegnet (in verschiedenen Entwicklungs-, Erfahrungs- und Lernphasen)!

Durch diese Betrachtung wird dann also die Nächstenliebe (bis hin zur Feindesliebe!) sozusagen zur Selbstliebe, wodurch sie – die Nächstenliebe – also an die stärkste uns bekannte menschliche Antriebsenergie ‘angeschlossen’ wäre, nämlich die Egozentrik!

Hierzu auch noch ein kurzes logisches Gedankenspiel:
Wenn ‘Gott’ alles durchdringend und allgegenwärtig ist, kann man doch auch sagen, dass Gott die Gesamtheit allen Seins ist. Ein ‘Außerhalb’ von Gott könnte es dann nicht geben (also kein „Jenseits von Allem“...). Wäre sich nun diese Gesamtheit aller Existenz auch selbst bewusst – was wir ‘Gott’ ja in der Regel unterstellen... –, dann muss ‘Gott’ logischerweise auch völlig ‘Ego-zentrisch’ sein, weil es ja gar nichts anderes gibt, als ‘ihn’ selbst. Also quasi eine ‘göttliche Egozentrik’. Egozentrik bedeutet, dass das Ego, also das Ich für jemanden das Zentrum, also die Mitte aller Dinge ist.

  

***

Soweit also die kurze Zusammenfassung der Idee des einen, sich ausschließlich in allen verschiedenen Körpern selbst begegnenden Lebewesens, welches sich in immer komplexeren Formen verkörpert, bis es sich dann schließlich selbst als die größte mögliche Einheit bewusst wird, nämlich als die gesamte Existenz in Form einer geschlossenen Einheit, also sozusagen als größter möglicher ‘Organismus’, und somit dann interessanterweise auch als Schöpfer, bzw. als erste Ursache seiner Selbst.

 Durch diese ‘Idee’ ist also die Nächstenliebe plötzlich logisch begründbar – und wird als die natürliche und positive Selbstliebe Gottes erkannt.

 

Im Folgenden soll es nun also um die Erlebbarkeit und die Lebbarkeit dieser Idee gehen – um deren mögliche Umsetzung in unser tägliches Leben und Handeln.

Wie also könnten wir solche Gedanken und diese Idee eines einzigen universellen Lebewesens – welches in den verschiedenen Körpern sein eigener Freund und Feind ist – in unserem täglichen Leben in aktives Handeln und in eine bedingungslose und allumfassende Liebe umwandeln?


 

Kapitel 30


30

 

Freude beim Üben

 

 

 

So wie es im vorigen Kapitel beschrieben ist, könnte es den Eindruck erwecken, dass die bedingungslose und allumfassende Liebe erstens ein kaum zu erreichendes Ideal ist, und zweitens, dass der Weg in diese Richtung voller Dornen, Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung ist, – voller Hindernisse und Entsagungen, kurz gesagt, absolut kein Vergnügen...

 

Von diesem Vorurteil sollten wir uns allerdings schleunigst lösen, denn sonst neigen wir dazu Rückschritte zu machen (was uns ja dank unserem freien Willen auch durchaus und jederzeit möglich ist).

 

Es gibt sehr viele kleinere – und auch einige etwas größere – Alltagssituationen, bei denen wir die bedingungslose Liebe mit viel Freude daran üben können!

Wir können praktisch in jeder Lebenslage spezielle kleine Bereiche finden, wo sich die bedingungslose Liebe recht einfach und dafür mit umso mehr Spaß und Freude erproben lässt.

 

Ein erstes schlichtes Beispiel ist etwa eine Stubenfliege (zu Anfang erst einmal eine nicht stechende).

Diese Fliege tut uns ja eigentlich nichts.

Sie fliegt uns höchstens ein Wenig vor der Nase herum, was wir in der Vergangenheit gewohnheitsmäßig meistens mit einer kurzen und schnellen Handbewegung – für eine kurze Zeit – unterbunden haben.

 

Nun gehen wir also einmal ganz gezielt und mit dem Bewusstsein der bedingungslosen und allumfassenden Liebe mit einer solchen Situation um.

 

Die Stubenfliegen-Übung

 

Es kann natürlich sein, dass uns diese Fliege eine halbe Stunde danach in einer Weise um die Nase fliegt, dass wir uns erneut gestört fühlen.

 

Aber dann werden wir souverän und liebevoll lächeln und sie mit energischen, aber dennoch liebevoll-vorsichtigen Handbewegungen dazu veranlassen, dass sie ihre Kurven und Kreise woanders zieht, als direkt vor unserer Nase.

 

Meine Erfahrung ist aber die, dass oft alleine schon die kurze Konzentration auf die Liebe zu einer solchen Fliege – zumindest scheinbar... – den Effekt hat, dass ich plötzlich (eine Zeit lang) von ihr in Ruhe gelassen werde.

 

Durch unsere Konzentration auf die Liebe zu einer Fliege geschieht aber außerdem noch zumindest einmal das folgende:

Wir werden dazu befähigt, diese Fliege in ihrem Dasein prinzipiell als mit uns gleichberechtigt zu erkennen, zu akzeptieren und anzunehmen.

Dadurch werden wir sie auf einmal nur noch ausschließlich dann als Störung empfinden, wenn sie uns auch wirklich stört.

Wir werden sie in unserer allernächsten Nähe mit Liebe willkommen heißen können, solange wir nicht tatsächlich von ihr belästigt werden. Sind wir z.B. beim Schreiben an einer Computertastatur, kann so eine Fliege durchaus auch spielerisch um unsere in Aktion befindlichen Finger herumfliegen, uns dabei vielleicht auch immer wieder an der Hand berühren, ohne dass wir dies dann noch wie normalerweise üblich als Störung empfinden (müssen).

 

Kurz gesagt, unsere Reizschwelle ist plötzlich erheblich verschoben worden, nachdem wir begonnen haben, eine Fliege zu lieben!

 

Solche Beispiele mit Insekten gibt es noch viele andere. Wir können in einem etwas größeren Schritt z.B. auch einmal bewusst zulassen, dass wir einer Stechmücke in Liebe ihre Nahrung – also einige Tropfen unseres Blutes – schenken. Diese Insektenübungen für die bedingungslose Liebe sind zwar nur ganz kleine Schrittchen, aber sie tragen enorm viel dazu bei, sich erstens an die nächst größeren Schritte zu wagen, und zweitens diese größeren Schritte dann auch erfolgreich – also auch mit Freude daran – bewältigen zu können!

Eine weitere, sehr einfache, aber auch sehr schöne Übung besteht darin, einen großen Stein mittels unserer Vorstellungskraft für kurze Zeit ein Wenig mit Tageslicht zu erfüllen.

 

 

Die Stein- und die Planeten-Übung

 

 

Einen Stein bedingungslos zu lieben ist vielleicht sogar noch einfacher als bei einem Insekt. Aber das wird wohl auch jeder etwas anders empfinden.

An diesen kleinen Übungen können wir jedoch erkennen, dass es wirklich sehr viel Freude machen kann, wenn wir uns in kleinen Schritten und Übungen auf die bedingungslose und allumfassende Liebe einlassen!

 

 

Wir können aus dem Stein übrigens auch die ganze Erdkugel machen, und auch hierfür gibt es eine sehr schöne Technik (vorausgesetzt, dass der Mond am Abendhimmel steht und am besten nicht gerade als Vollmond zu sehen ist):

 

Bei dieser Technik kann es gut sein, dass wir am Ende das Gefühl haben, dass es für die riesige Erdkugel ein viel zu kleiner Schimmer ist, der durch unsere Füße in diese hinein fließen kann.

Es kann der Wunsch nach Unterstützung wach werden, nach gemeinschaftlichem Zusammenarbeiten vieler Menschen, um diesem, unserem Planeten noch viel mehr Licht und Liebe zu schenken.

 

Dieser Wunsch ist wiederum auch gleichzeitig der Wunsch nach bedingungsloser Liebe zwischen allen Menschen, und dieser Wunsch ist auch gleichzeitig schon ein Anflug des wirklichen Gefühls der bedingungslosen und allumfassenden Liebe!

 

 

Verankern

 

Immer wenn wir durch irgendwelche Übungen in dieser Art die unglaubliche Energie und die liebende Ausgeglichenheit der allumfassenden Liebe spüren, dann sollten wir bewusst versuchen dieses Gefühl auch für spätere Zeiten in uns zu verankern.

 

Verankerungen sind kleine Hilfestellungen, durch welche wir später bestimmte Gefühle erneut in uns fühlen können.

Für eine solche Verankerung müssen wir natürlich auch einen Anker haben, den wir sozusagen in das zu verankernde Gefühl hinein werfen können, wie auch ein Matrose den Schiffsanker in das Meerwasser wirft um das Schiff zu verankern.

Als Anker kann uns alles mögliche dienen. Es muss nur etwas sein, das wir jederzeit problemlos wiederholen können.

 

Ein solcher Anker kann entweder

 

Was wir für eine solche Gefühls-Verankerung tun müssen ist folgendes:

 

1.       Wir erleben also gerade ein Gefühl oder auch eine Erkenntnis, welches/welche wir verankern wollen;

2.       Wir lassen uns durch unser Vorhaben der Verankerung keinesfalls von diesem Gefühl ablenken, weil wir wissen, dass solche Verankerungen eine völlig normale Angelegenheit sind;

3.       Wir wählen uns bewusst einen Anker aus. Wie oben schon aufgezählt kann dies eine Handbewegung sein, es kann eine Regung unseres Gesichtes sein, wie z.B. einfach nur ein Lächeln, es kann eine Kopfbewegung sein, es kann ein bestimmtes Blinzeln mit den Augen sein, es kann ein Schnippen mit den Fingern sein oder sonst irgendeine Aktion mit unserem Körper, die wir später schnell und einfach wiederholen können. Wichtig ist dabei nur, dass es etwas Einfaches ist, an das wir uns problemlos wieder erinnern werden. Am besten ist etwas, was wir sowieso sehr oft tun (so werden wir nämlich das verankerte Gefühl sehr oft ganz automatisch wieder in uns wachrufen).

4.       Und nun werfen wir diesen gewählten Anker gleichsam aus, in dem wir uns einfach sehr stark auf das momentan erlebte Gefühl welches wir verankern wollen konzentrieren und gleichzeitig – sobald wir das Gefühl wirklich intensiv fühlen –  unseren vorher gewählten Anker ausführen.

5.       Später, kurz nachdem wir das Gefühl gerade verlassen haben, festigen wir den Anker durch mehrfaches benützen desselben.

6.       Wir können ja so kurze Zeit nach dem erlebten Gefühl, welches wir verankert haben, dieses Gefühl auch aus unserer Erinnerung wieder gut zu uns zurückholen. Wir benützen also den Anker und helfen dabei mit unserer noch lebendigen Erinnerung etwas nach, um das Gefühl wieder zu beleben.

7.       Noch später dann, wenn wir eine größere zeitliche Distanz zu dem Gefühl haben – wenn wir es also gar nicht mehr spüren,  z.B. wenn wir im Supermarkt in einer Warteschlange stehen, oder wenn wir irgendwelche Behördengänge machen – dann benützen wir unseren Anker, alleine schon um ihn einmal auszuprobieren, und um ihn weiter zu festigen.

8.       Wir lächeln genau das gleiche Lächeln, machen genau die gleiche Handbewegung oder blinzeln genau das gleiche Augen Blinzeln wie damals, als wir den Anker ausgeworfen hatten. Automatisch wird unser Gehirn dadurch eine Assoziation (eine Verbindung) zu dem damaligen Gefühl herstellen.

 

Das Gefühl wird wahrscheinlich bei den ersten Versuchen nicht wieder so stark sein, wie es bei dem Erlebnis war, als wir den Anker gesetzt hatten. Aber durch häufigeres Anwenden dieser Technik wird die Technik selbst zu etwas normalem, was uns nicht mehr komisch vorkommt, und was uns darum auch nicht mehr ablenkt. Unsere Fähigkeit zur schnellen Assoziation wird trainiert, und schließlich werden wir zu Meistern unseres Fühlens werden.

 

Wir erkennen dadurch, dass es immer unsere Wahl ist, ob wir uns der Wirkung verschiedener Situationen einfach hilflos hingeben oder eben nicht!

 

 

Wir können auch noch eine andere schöne Übung machen, bei welcher der Mond eine wichtige Rolle spielt.

 

 

Die Mond-Übung

 

Wenn wir nun nach dieser Übung diesem betreffenden Menschen das nächste Mal begegnen, dann werden wir uns – alleine schon durch dessen Anblick – unweigerlich und schlagartig an unser Gefühl der Liebe und des sich ins Nichts auflösenden Hasses während unseres gemeinsamen Mondaufenthaltes erinnern!

Wir werden dadurch automatisch unser unmerkliches Lächeln auf unserem Gesicht spüren, welches wir uns als Anker gewählt hatten (wir brauchen diesen Anker also noch nicht einmal bewusst zu benützen).

Dieses Lächeln wird unser Gefühl der Zuneigung noch zusätzlich verstärken.

Die Erinnerung, bzw. das Gefühl dieser Liebe wird in unseren Augen und in diesem unmerklichen Lächeln zu lesen sein, und wir werden das Gefühl der wiedergewonnenen Liebe mit unserem ganzen Wesen so stark ausstrahlen, dass der Andere dies unweigerlich, wenn auch vielleicht nur un- oder halbbewusst, wahrnehmen wird.

 

Er wird es sich zwar überhaupt nicht erklären können, aber er wird uns plötzlich – und auch gegen alle frühere Gewohnheit – nicht mehr so unsympathisch empfinden, oder gar hassen, wie dies bisher der Fall war!

Und uns wird es natürlich genauso ergehen, weil nun ja eine Resonanz, ja sogar eine Rückkoppelung zwischen den beiderseitigen Sympathiegefühlen entsteht!

 

Es gibt eine weitere, sehr effektive Übung, die wir auch im Alltagsleben sehr einfach und immer wieder praktizieren können.

Diese Übung hängt ziemlich direkt mit der Idee zusammen, welche in diesem Buch beschrieben ist.

Wir könnten sie „die Blick-Umkehr-Übung“ nennen.

 

 

Die Blick-Umkehr-Übung

 

Diese Übung können wir immer dann praktizieren, wenn wir mit einem anderen Menschen oder auch einem Tier in direktem Blickkontakt sind.

 

Besonders gute und überraschende Ergebnisse hat diese Übung übrigens beim Blickkontakt mit Babys.

 

Spätestens an dieser Stelle der Blick-Umkehr-Übung werden wir eine klar erkennbare Reaktion unseres Gegenübers erleben. Wenn wir uns für diese Übung ein Baby als Gegenüber aussuchen, dann wird das Baby in den aller meisten Fällen im Verlauf der Übung zu lächeln beginnen.

 

Während wir diese Blick-Umkehr-Übung machen, können wir auch ganz bewusst an die Idee denken, welche in diesem Buch beschrieben ist. Wir sehen also in die Augen unseres Gegenübers und machen uns dabei klar, dass es vielleicht nur eine Art Täuschung für uns alle ist, dass wir immer nur uns selbst als das Zentrum der Situationen erleben. Wir stellen uns also vor, dass wir tatsächlich uns selbst in einem anderen Körper anschauen, wenn wir in die Augen unseres Gegenübers sehen.

 

 

Wenn wir erst einmal unseren Wunsch erkannt haben bedingungslos zu lieben, und wenn wir verstehen was es für einen erklärbaren Sinn hat, bedingungslos und allumfassend zu lieben, dann finden sich mit etwas Phantasie und Kreativität noch viele weitere Übungen für das bedingungslose Lieben.

 

Und diese Art von Übungen werden auch allesamt großen Spaß und viel Freude bereiten können, da es sich ja um freiwillige Übungen handelt – um das, was wir selbst wollen (ganz anders, als wenn wir beispielsweise versuchen die Gebote einer uns anerzogenen, speziellen Religion zu befolgen und einzuhalten...!).

 

 

 




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